Richtig zielen beim Dart: Dominantes Auge und Blickpunkt
Zielen beim Dart ist kein Visieren. Wie du dein dominantes Auge bestimmst, worauf du wirklich schaust, wie lange du zielst und welche Fehler häufig sind.
Zielen beim Dart ist kein Visieren
Die verbreitetste Vorstellung vom Zielen stammt aus dem Schießsport: Man richtet ein Visier auf ein Ziel aus und löst aus. Beim Dart funktioniert das nicht, und der Grund ist einfach. Es gibt kein Visier, das während der Bewegung stabil bleibt. Der Dart wandert von der Ausgangsposition zurück Richtung Gesicht und wieder nach vorn. Die Linie, die du am Anfang gesehen hast, existiert im Moment des Loslassens nicht mehr.
Beim Dart richtig zielen heißt deshalb: eine Ausgangslinie herstellen und danach eine Bewegung ausführen, die diese Linie zuverlässig reproduziert. Das Zielen liefert die Richtung, die Technik liefert die Wiederholbarkeit. Wer sein Trefferbild verbessern will, muss meistens an der zweiten Hälfte arbeiten, sucht den Fehler aber in der ersten.
Das dominante Auge bestimmen
Beide Augen sehen aus leicht unterschiedlichen Blickwinkeln, und dein Gehirn bevorzugt eines davon für die Tiefenwahrnehmung. Welches das ist, entscheidet mit darüber, wie du dich zum Board stellst. Der Test dauert zwanzig Sekunden.
Strecke beide Arme aus und bilde mit den Händen ein kleines Dreieck. Fixiere mit beiden Augen geöffnet ein Objekt durch diese Öffnung, zum Beispiel das Bullseye. Schließe nun abwechselnd ein Auge. Bei einem Auge bleibt das Objekt in der Öffnung, beim anderen springt es zur Seite. Das Auge, bei dem es an Ort und Stelle bleibt, ist dein dominantes.
Praktisch heißt das: Der Dart sollte in der Ausgangsposition auf einer Linie mit deinem dominanten Auge liegen. Bei den meisten Rechtshändern ist das rechte Auge dominant, was zu einer leicht seitlichen Standposition passt. Bei gegenläufiger Dominanz, also Rechtshänder mit dominantem linken Auge, ist eine leicht frontalere Standposition oft angenehmer.
Die Ziellinie: drei Punkte auf einer Geraden
Die Ausgangslinie beim Zielen besteht aus drei Punkten: deinem dominanten Auge, der Dartspitze und dem angepeilten Feld. Liegen diese drei auf einer Geraden, stimmt die Richtung. Der entscheidende Punkt dabei wird oft übersehen: Diese Linie muss bei jedem Wurf gleich sein, und dafür muss der Dart bei jedem Wurf an derselben Stelle vor deinem Gesicht stehen.
Die häufigste Fehlerquelle ist deshalb nicht die Linie selbst, sondern die Ausgangsposition der Hand. Wandert die Hand von Wurf zu Wurf um wenige Zentimeter, verschiebt sich die Linie mit, obwohl du subjektiv genauso sorgfältig gezielt hast. Genau solche Abweichungen sind es, die eine Wurfanalyse sichtbar macht, während sie im Selbstempfinden untergehen.
Wohin zielen: Triple 20, Triple 19 oder die Mitte?
Bis hierher ging es darum, wie du zielst. Die zweite Frage ist, worauf. Beim Punktesammeln zielen die meisten Spieler automatisch auf die Triple 20, weil sie die meisten Punkte bringt. Ob das für dich die beste Wahl ist, hängt davon ab, wie stark deine Darts streuen.
Drei Statistiker der Stanford University, Ryan Tibshirani, Andrew Price und Jonathan Taylor, haben das in ihrer Arbeit A Statistician Plays Darts durchgerechnet. Sie beschreiben die Streuung eines Spielers als Standardabweichung in Millimetern und berechnen für jeden Punkt auf dem Board, wie viele Punkte man im Schnitt erwarten kann, wenn man genau dorthin zielt. Das Ergebnis hängt stark von der Streuung ab:
- Etwa 5 Millimeter Streuung: Der beste Zielpunkt bleibt die Mitte der Triple 20.
- Etwa 27 Millimeter Streuung: Der beste Zielpunkt liegt in der Triple 19, nahe der Grenze zur 7. Neben der 20 liegen die 1 und die 5, neben der 19 die 7 und die 3. Ein Fehlwurf zur Seite kostet an der 19 also weniger.
- Etwa 65 Millimeter Streuung: In einem großen Bereich um die Mitte ist die erwartete Punktzahl fast gleich. Der rechnerisch beste Punkt liegt dann links unterhalb des Bullseyes.
Zur Einordnung: Das Board hat einen Radius von 17 Zentimetern. Die Werte von 27 und 65 Millimetern sind die geschätzten Streuungen zweier Autoren der Studie, die nach eigener Aussage keine erfahrenen Dartspieler sind. Um die eigene Streuung zu schätzen, schlagen sie vor, rund 50 Darts auf das Bullseye zu werfen und die erzielten Punkte zu notieren.
Ohne Rechnung hilft eine einfache Beobachtung: Landen deine Darts auf die 20 regelmäßig in der 1 und der 5, lohnt sich ein Versuch auf die 19. Das gilt nur fürs Punktesammeln. Beim Checkout gibt das Spiel das Ziel vor, und an der Technik ändert der Zielpunkt nichts. Ziellinie und Wiederholbarkeit aus den Abschnitten oben bleiben dieselben.
Wohin schaust du: Board oder Dartspitze?
Diese Frage sorgt in jedem Verein für Diskussionen, und die Antwort ist unbefriedigend: Beides funktioniert, aber nicht gleichzeitig und nicht abwechselnd.
Die Mehrheit der Spitzenspieler fokussiert auf das Ziel und nimmt die Dartspitze nur unscharf im peripheren Blickfeld wahr. Das passt zur Forschung zum sogenannten Quiet Eye, also der letzten ruhigen Fixierung des Ziels unmittelbar vor der Bewegung. Studien zum Dartwurf, beginnend mit Vickers, Rodrigues und Edworthy im Jahr 2000, verbinden eine längere und früher einsetzende letzte Fixierung mit treffsicheren Würfen und mit höherem Spielniveau. Das ist ein Zusammenhang, kein Beweis dafür, dass längeres Hinschauen allein die Treffer bringt. Der Blick liegt dabei auf dem Ziel, nicht auf dem Werkzeug.
Eine kleinere Gruppe fokussiert auf die Dartspitze und nimmt das Ziel unscharf wahr. Auch damit lässt sich sehr gut spielen. Was dagegen zuverlässig schlechter funktioniert, ist der Wechsel: Wer während des Zielvorgangs mehrfach zwischen Spitze und Ziel hin und her springt, verliert die stabile Referenz und verlängert die Zieldauer. Entscheide dich für eine Variante und behalte sie bei.
Wie lange sollte man zielen?
Zu kurz gezielt bedeutet, dass die Ausgangslinie nicht sauber steht. Zu lang gezielt bedeutet etwas anderes: Der Arm ermüdet in der Halteposition, die Konzentration verlagert sich vom Ziel auf die Ausführung, und die Bewegung wird bewusst gesteuert statt automatisch abgerufen. Beides kostet Genauigkeit.
Ein brauchbarer Bereich liegt bei etwa ein bis drei Sekunden zwischen dem Einnehmen der Ausgangsposition und dem Beginn der Ausholbewegung. Wichtiger als der genaue Wert ist die Gleichmäßigkeit. Wenn du beim ersten Dart einer Aufnahme zwei Sekunden brauchst und beim dritten fünf, hat sich meist nicht das Zielen verändert, sondern der Druck.
Diese Zieldauer ist eine der Größen, die sich objektiv erfassen lassen. In der Auswertung zeigt sich regelmäßig, dass Serien mit schlechtem Ergebnis nicht durch andere Winkel auffallen, sondern durch längere und ungleichmäßigere Zielzeiten. Wer das an sich selbst einmal gesehen hat, achtet danach anders auf seinen Bewegungsablauf.
Zielen und Werfen sauber trennen
Ein Fehler, der viele Spieler über Jahre begleitet: Sie korrigieren während der Bewegung nach. Der Wurf hat begonnen, das Gefühl sagt "das wird zu hoch", und die Hand versucht in der Beschleunigungsphase gegenzusteuern. Das Ergebnis ist regelmäßig schlechter als der unkorrigierte Wurf, weil eine eingeleitete Bewegung sich nicht sauber verändern lässt.
Die klarere Aufteilung lautet: Vor dem Wurf wird gezielt, während des Wurfs wird nur noch ausgeführt. Wenn die Ausgangslinie nicht stimmt, ist es besser, den Wurf abzubrechen, die Position neu einzunehmen und von vorn zu beginnen. Das kostet ein paar Sekunden und ist im Ergebnis fast immer besser als eine Korrektur mitten in der Bewegung.
Drei Übungen, die das Zielen verbessern
- Einzelfeld über 30 Würfe. Wirf ausschließlich auf ein einziges Feld, zum Beispiel die 20, und zähle nur, wie viele Darts im richtigen Segment landen, unabhängig von Single, Double oder Triple. Damit trainierst du die horizontale Genauigkeit, die fast vollständig von der Ziellinie abhängt.
- Erster Dart zählt. Von zehn Aufnahmen bewertest du nur den jeweils ersten Dart. Der erste Wurf einer Aufnahme ist der ehrlichste Test deines Zielvorgangs, weil er ohne Korrekturimpuls aus den vorherigen Würfen auskommt.
- Gleichmäßige Zieldauer. Zähle innerlich mit, bis du wirfst, und halte den Wert über eine ganze Session konstant. Das Ziel ist hier nicht Genauigkeit, sondern Rhythmus.
Wie sich solche Übungen zu einer vollständigen Einheit mit Scoring und Doppeln zusammensetzen, zeigt der Artikel Dart Training Übungen.
Häufige Fehler beim Zielen
Vier Muster tauchen besonders oft auf, und alle vier lassen sich ohne technische Umstellung beheben.
Der erste ist die wandernde Standposition. Wer nicht bei jedem Wurf denselben Punkt an der Oche einnimmt, zielt jedes Mal aus einem anderen Winkel. Eine Markierung am Boden löst das Problem sofort.
Der zweite ist der Blickwechsel zum Trefferbild. Viele schauen nach dem ersten Dart auf das Ergebnis, bevor sie den zweiten in Position bringen. Damit gibt man die Ziellinie auf und muss sie neu aufbauen.
Der dritte ist das Zielen mit dem ganzen Körper. Wenn der Oberkörper beim Zielen nachjustiert, verändert sich die Ausgangsposition der Hand mit. Die Feinjustierung gehört in den Arm, nicht in den Rumpf.
Der vierte betrifft den Kopf. Eine leichte Kopfbewegung während der Ausholbewegung verschiebt die Augenposition und damit die gesamte Ziellinie. In Zeitlupe fällt das sofort auf, im Spiel merkt es niemand.